Stimmungen schwanken

Gestern meinen ersten Test gemacht, weil heute ein Kitaauftrag mal nicht platzt, aber eben mit Test. Hatte extra in unserer Stammapotheke Tests vorbestellt aber: Hey! Wir haben Coronazeiten, sie kommen nicht pünktlich. Alle wollen welche.

 

Die Apothekerin ist sehr freundlich. Sie weiß, ich brauche das negative Ergebnis morgen für die Arbeit und sie schlägt mir vor, doch einen öffentlichen Umsonsttest in Anspruch zu nehmen. Das habe ich nicht gewusst. Ich krieg den geschenkt! Noch freundlicher, die Apothekenkollegin ruft mal eben in der anderen Apotheke an und vereinbart einen Termin für gleich - für mich! Wie nett.

 

So mache ich mich am nächsten Morgen mit negativem Testergebnis auf den Weg zur Kita. Im Bus fragt der Fahrer nach meiner Harfe und dann neugierig, ob das Erzählen denn wegen Corona möglich sei.

Eigentlich nicht, ich erzähle dann aber vom Testergebnis, von meinen Maßnahmen, dem 2,50 Abstand, dass ich beim Erzählen Maske trage, dass die einzelnen Settings 20 Minuten dauern würden, dem Lüften, war ihm alles vertraut und dann waren wir am Bahnhof.

 

Der Zug ist zwanzig Minuten verspätet, Weichenstörung, gut, ich werde auf meinen U-Bahnkaffee verzichten müssen,  aber noch pünktlich kommen. Da erreicht mich die Mail der Kita: Absage, weil Kita - Notbetrieb.

Muss nicht sauer werden. Hätte meiner Intuition folgen können, die angesichts des überraschenden Aprilschneefalls leise flüsterte: Fahrradfahren geht wohl nicht, ob es wohl ausfällt? Hätte nochmal anrufen können, aber nein… Nun latsch ich also zurück zur Bushaltestelle.

 

Eine alte Frau, vielleicht 15 Jahre älter als ich, durchwühlt den Mülleimer an der Haltestelle. Ihr sichernder Blick hat mich schnell wegschauen lassen. Leider habe ich trotzdem ihre abgetragene Kleidung bemerkt.

Der Bus kommt in zehn Minuten. Das reicht für den Weg zum nahen Bäcker und zwei Zweitesfrühstückbrötchen. Ich kaufe zweimal zwei Brötchen. Die versehentlich gesehene Armut macht mir zu schaffen. Sie nimmt die Brötchen dankend an. Puh! Glück gehabt!

 

Der Busfahrer lacht, als ich bei ihm einsteige, es ist der von eben. Als ich ihm von der Absage berichte, bedauert er mich angemessen. Spät fällt mir auf, dass ich noch keine neue Fahrkarte gelöst habe. Will es tun. Im Fahrer arbeitet es.

Sie haben die Karte nach Hamburg ja unnütz gekauft.

Stimmt.

Normalerweise müssen sie.

Ich weiß!

Wenn kein Kontrolleur ... Lassen sie mal.

Danke.

- Pause -

Fahren Sie heute noch mal nach Hamburg?

Nein.

Da ist eine alte Frau aus dem Altersheim.

- Schweigen - Blicken - Halten -

Ich lasse meine noch gültige Fahrkarte im Bus liegen.

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Kommentare: 2
  • #1

    Die Schatzfinderin (Donnerstag, 29 April 2021 17:33)

    Kaum zu glauben, mit wie wenig - und vielleicht doch so viel?? - man sich in der Coronazeit zufrieden geben muss.... eine Freundin würde sagen: Die beste Gelegenheit, achtsam leben zu lernen!

  • #2

    Jörn-Uwe (Donnerstag, 29 April 2021 17:44)

    Ich war wirklich froh (!) und vermute, dass wir jederzeit und täglich solche Wunder erleben könnten, wenn wir sie wahrnähmen. Ich habe ein bischen Zeit gebraucht (und diesen Artikel) bis ich ein Gefühl für dieses "wenig" hatte.