Was ist heilig?

Über die Erfahrung von Ganzheit

„Ihre Geschichte hab‘ ich nicht verstanden“, sehr behutsam beklagte sich eine Hörerin bei mir.

 

 

„Ehrlich gesagt, ich erzähle sie seit 15 Jahren und habe auch nicht alles verstanden,“ gestand ich.

 

„Es sind Suchprozesse, die dadurch ausgelöst werden“, mischte sich eine andere Zuhörerin ein. „Kunst, Märchen lösen Suchprozesse aus.“, meinte sie,

 

- nach der Wahrheit, dem Weg, - folgerte ich für mich…  

 

„Wir suchen nach dem Sinn“, fuhr sie fort...

 

 

Kunst ist ein Kristallisationskeim in mir um den sich Erkenntnis und/oder Schönheit bilden können.

Ein Text, ein Bild, eine Komposition, ein Tanz, ein Film wirkt gedeihlich, wenn das gelingt.

 

 

 

 


Ich male mir aus, so wie das Hirn aus der Kakophonie vielstimmiger oft gegensätzlicher sinnlicher Wahrnehmungen Ganzheit destilliert, so werden auch die einzelnen Bilder der Märchen im Erzählen und Hören durch die Arbeit unseres Gehirns zu einem Ganzen. Das Gehirn strebt danach, es gestaltet Ganzheit, es kann gesund nicht anders.Die schwer erträgliche Erfahrung eines chaotischen Seins unter zufälligen Bedingungen wird vom Zentralnervensystem gefiltert und dadurch, dass wir Erlebnissen einen Sinn oder einen Namen geben, vermildert.

 

Wir formen All, indem wir denken (müssen).

So entstehen Götter und auch die Suche nach ihnen.

Wahrscheinlich ermöglicht die Fähigkeit unseres Gehirns, Ganzheiten zu erkennen und/oder zu erschaffen, erst ein reflektierendes Leben. Das Streben nach Ganz-Werden ist durch diese Arbeitsweise unseres Gehirns möglicherweise in uns eingeschrieben.

Die Erfahrung von Ganzsein erfüllt mich - sekundenlang.

Alleins-sein.

Whole (engl. ganz), hel (schwed. ganz), heil-ig sprachwurzelt zusammen – vielleicht.

Ein Kind (elf Jahre) fragte, was für meine Frau und mich heilig sei. Eine Antwort war:

 

„Man spürt, wenn es einen streift. Festhalten klappt nicht.“

 

 

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